Worum geht es?

Die Allgemeine HypothekenBank Rheinboden AG (AHBR) hat sich verspekuliert. Der nach eigenen Angaben der AHBR zu erwartende Bilanzverlust zwischen 1,1 bis 1,3 Mrd. Euro für das Jahr 2005 steht für einen weiteren Massenschadensfall am deutschen Kapitalmarkt.

Die AHBR ist eine international tätige Immobilien- und Pfandbriefbank. In Deutschland finanziert die AHBR bislang vor allem gewerbliche und wohnwirtschaftliche Immobilienprojekte. Im Ausland ist sie vor allem im Bereich der Gewerbekredite aktiv. Mit einer Bilanzsumme nach eigenen Angaben von EUR 77 Milliarden und einem haftenden Eigenkapital von EUR 1,8 Milliarden zählt die AHBR zu den großen Hypothekenbanken in Deutschland.

Am 02. Januar 2006 veröffentlichte die AHBR folgende Ad hoc-Meldung:

"AHBR erwartet negatives Jahresergebnis für 2005

Frankfurt am Main, den 2. Januar 2006
Die Allgemeine HypothekenBank Rheinboden AG (AHBR) rechnet für das Geschäftsjahr 2005 mit einem negativen Nachsteuerergebnis. Dieses wird sich nach vorläufigen Schätzungen der Bank in einer Größenordnung zwischen 1,1 und 1,3 Milliarden Euro bewegen.

Hintergrund sind die abschließende Realisierung von Verlusten aus belasteten Zinspositionen und die Neubewertung der Kreditbestände im Zuge einer umfassenden Restrukturierung und Neupositionierung der Bank nach der nunmehr abgeschlossenen Übernahme durch den amerikanischen Finanzinvestor Lone Star.

Angesichts des zu erwartenden Bilanzverlusts wird das durch Genussscheingläubiger und stille Beteiligte bereit gestellte haftende Eigenkapital maßgeblich in Anspruch genommen werden. Gläubiger nachrangiger Namens- und Inhaberschuldverschreibungen sind von der Maßnahme nicht betroffen. Zur Unterstützung der Neupositionierung der Bank wird Lone Star der AHBR mit Beginn des Geschäftsjahres 2006 neues Eigenkapital in angemessener Höhe zuführen."

Die Hintergründe

Vorausgegangen war die lange Suche nach einem neuen Eigentümer der AHBR durch den bisherigen Mehrheitsaktionär, der Gewerkschaftsholding BGAG, die schon in der Vergangenheit mit wirtschaftlichen Problemfällen zu tun hatte (Stichwort. "Neue Heimat"). Der Übernehmer, die U.S.-amerikanische Beteiligungsgesellschaft LoneStar will nach eigenem Bekunden frisches Geld für die AHBR zur Verfügung stellen, um so die größte Bankenpleite Deutschlands seit 1974 ("Herstatt") zu verhindern - zumindest vorerst. In einem ersten Schritt wurden Managementpositionen ausgetauscht. Ferner sollen harte Bilanzschnitte zur Sanierung der AHBR erfolgen. In diesem ZUsammenhang würde vor allem das von den aussenstehenden Genussscheingläubigern und stillen Beteiligten bereitgestellte haftende Eigenkapital zur Verlustdeckung "maßgeblich in Anspruch genommen", wie die AHBR und ihr neuer Eigentümer zwischenzeitlich verlautbaren liessen.

Die vor allem von Privatanlegern gehaltenen Genussscheine summierten sich nach Presseangaben per 30. September 2005 auf 567 Millionen Euro, die stillen Einlagen auf 372 Millionen Euro. Nach einer Verlautbarung der AHBR wird es für 2005 keine Zinsausschüttung geben, auch der Rückzahlungsanspruch wird wohl "drastisch reduziert", wie ein Sprecher der Bank zwischenzeitklich erläuterte. Genauere Angaben wird es von der Bank erst geben, wenn der Jahresabschluss 2005 testiert ist - damit ist frühestens Ende des ersten Quartals 2006 zu rechnen.

Der neue Eigentümer der AHBR, die US-Beteiligungsgesellschaft Lone Star, muss jedoch mit Widerstand gegen ihre harten Sanierungspläne rechnen. Es bahnen sich rechtliche Auseinandersetzungen an, da viele Kapitalgeber nicht akzeptieren möchten, dass der Gewinn der AHBR nach neun Monaten von 13,8 Mio. Euro in einen Miliardenverlust umschlägt.

Zwischenzeitlich hat sich die AHBR mit dem grössten stillen Gesellschafter, der DZ Bank AG, sowie der DEVK VVaG, die ebenfalls zum Kreis der stillen Gesellschafter gehört (gemeinsames Investment 175 Mio. EUR) vergleichsweise aussergerichtlich geeinigt. Presseberichten zufolge erwirbt die AHBR die Einlagen dieser beiden stillen Gesellschafter zu einer Quote von "gut 25 bis nahe 30 %" (je nachdem, ob mit oder ohne Kosten gerechnet) zurück. Da damit zu rechnen ist, dass sich die AHBR bzw. LoneStar auch mit den anderen stillen Gesellschaftern auf eine gleiche Quote einigt, bedeutet dies für die AHBR einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 100 Mio. EUR. Insoweit steht zu befürchten, dass dieser Betrag an anderer Stelle geltend gemacht werden muss und die Genußscheininhaber möglicherweise noch weitere Verluste in Kauf zu nehmen haben.

Damit die Sanierung der AHBR aber nicht vor allem auf dem Rücken der Genußscheininhaber erfolgt, ist es wichtig, dass diese sich zusammenschliessen und ihre Rechte gebündelt über eine einheitliche und starke anwaltliche Vertretung wahrnehmen lassen. Zu diesem Zweck haben wir die ARGE AHBR gegründet. Gerade der Vergleich der AHBR mit den stillen Gesellschaftern zeigt, dass der neue Eigentümer der AHBR, die U.S.-amerikanische Private-Equity-Gesellschaft LoneStar, nur dann zu Zugeständnissen gegenüber den Genußscheininhabern bereit sein wird, wenn diese sich ebenso wie die stillen Gesellschafter möglichst gebündelt zu einem starken Gegenpol der AHBR entwickeln. Nur so kann erreicht werden, dass auch die Genußscheininhaber der AHBR und dem dahinterstehenden neuen Eigentümer LoneStar "auf Augenhöhe" begegnen und entsprechende Verhandlungen geführt werden. Dass diese Strategie aufgehen wird, haben unsere Erfahrungen in den aktuellen Massenschadensfällen Phoenix Kapitaldienst GmbH und AMIS gezeigt

Was bieten wir?

Wir bieten den AHBR-Investoren die umfassende Vertretung ihrer Interessen. Im Augenblick klären wir die juristische Gemengelage, alle Optionen des außergerichtlichen wie auch prozessualen Vorgehens, und haben Gespräche zur Wahrung der Interessen unserer Mandanten mit Vertretern der AHBR geführt. Ausserdem haben wir mittlerweile die nach unserer Kenntnis erste Schadenersatzklage gegen die AHBR für Genußscheininhaber gerichtsanhängig gemacht. Weitere sind für private und institutionelle Anleger in Vorbereitung. Zugleich haben wir einen Antrag auf Einleitung eines Musterverfahrens nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) gestellt. Laut Erklärung des AHBR-Vorstands vom 27.4.2006 wurden für die erheblichen Verluste der Bank, die aus rechtswidrigen Zinsderivatgeschäften stammen, Genussrechtskapital in Höhe von € 359,8 Mio. in Anspruch genommen. Da hiervon viele tausend Genussscheininhaber (Namens- und Inhabergenussscheine) betroffen sind, kommt der Entscheidung über den Musterfeststellungsantrag daher Bedeutung über den einzelnen Rechtsstreit hinaus für andere gleichgelagerte Rechtsstreitigkeiten zu. Wir gehen davon aus, dass wir die erforderliche Zahl von Musteranträgen erreichen, um vorliegend ein sammelklageähnliches Musterverfahren nach dem Kapitalanlegermusterverfahrensgesetz (KapMuG) zu führen.

Wir werden Ihnen an dieser Stelle fortlaufend weitere Informationen zum Thema zur Verfügung stellen

Wenn Sie Interesse an einer Mandatierung haben, erreichen Sie uns am schnellsten über unser Kontaktformular. Ihr Mandat rechnen wir auf Basis der gesetzlichen Gebühren nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) ab.

Anwaltskooperation AHBR – wer sind wir?

Arbeitsgemeinschaft (ARGE) von NIEDING + BARTH Rechtsanwaltsaktiengesellschaft sowie TILP Rechtsanwälte

Wir sind eine Anwaltskooperation zweier deutscher Anlegerschutzkanzleien, die seit über 10 Jahren aktiven Anlegerschutz betreiben und zu den Marktführern im Kapitalanlagerecht und im Bereich der Vertretung geschädigter Anleger und Investoren zählen. Durch unsere Kooperation haben wir eine Größeneinheit geschaffen, die derzeit keine andere in diesem Bereich tätige Rechtsanwaltskanzlei erreicht.

Wir verfügen über umfassende Erfahrung im „Handling“ großer Schadensfälle. Im Fall Phoenix – dem größten Betrugsfall in der deutschen Nachkriegsgeschichte – betreuen beide Kanzleien in der ARGE-Phoenix seit März 2005 rund 3.000 Geschädigte (www.arge-phoenix.de). Im Fall AMIS, dem bisher ersten grenzüberschreitenden Massenschadensfall im europäischen Kapitalmarktrecht (www.arge-amis.de), werden seit November 2005 aktuell rund 2.000 Geschädigte durch die beiden Kanzleien vertreten.

Was wollen wir?

Mit unserer projektbezogenen Zusammenarbeit wollen wir Ihre Interessen wie die der sonstigen Investoren der AHBR optimal vertreten. Hierzu ist die Vertretung einer möglichst großen Anzahl von Geschädigten nach unserer Erfahrung unbedingt erforderlich. Gerade die Massenschadensfälle Phoenix und AMIS haben dies deutlich gezeigt.

Hinweis

Meiden Sie bitte in Ihrem eigenen Interesse dubiose "Interessengemeinschaften", "Opfervereine", "Anlegerschutz-Gemeinschaften" oder ähnliches. Vertrauen Sie die Vertretung Ihrer Interessen nur Anwälten an, die nachweislich seit Jahren erfolgreich im Bereich Kapitalmarktrecht tätig sind und sich daher in Fällen dieser Größenordnung auskennen.

28.04.2006

Financial Times Deutschland

Genusschein-Inhaber und stille Gesellschafter, die für 2005 mit 359,8 beziehungsweise 282,0 Mio. Euro zur Kasse gebeten werden, müssten deshalb mit weiteren Belastungen rechnen. "Ja, das Debakel ist größer", sagte von Köller, der auch Chef von Lone Star in Deutschland ist.

28.04.2006

Börsen-Zeitung

Es kann noch schlimmer kommen. Denn AHBR-Chef von Köller geht voll auf Konfrontationskurs zu stillen Gesellschaftern und Genussscheingläubigern, die für 2005 den Großteil ihres Investments abschreiben dürfen und in einem Jahr den Rest ... Aber den rätselhaften Verbleib von 500 Mill. Euro aus einem seit dem Verkauf der maroden Hypothekenbank an Lone Star untergegangenen Treuhandfonds hat von Köller nicht aufgeklärt. "Fragen Sie Lone Star", sagt der AHBR-Chef, der zugleich Deutschland-Chairman des US-Investors ist.